24. Januar 2013

Kraftwerk: Wellenfeldsynthese in der Kunstsammlung NRW

Kraftwerk in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Kraftwerk in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

An Kraftwerk kommt keiner vorbei, der sich mit elektronischer Musik beschäftigt: Seit sagenhaften 42 Jahren setzt Kraftwerk Maßstäbe bei der künstlichen Erzeugung von Klängen und hat zahllose Künstler beeinflusst, darunter David Bowie, Depeche Mode, die amerikanische Hip Hop und Electro Szene sowie Detroit Techno. Das elektronische Musikprojekt Kraftwerk war schon immer etwas anders und hat stets mit enormer Ernsthaftigkeit an ihrer ganz eigenen Vision von Klang gearbeitet. Im Januar präsentierten Kraftwerk um Gründer Ralf Hütter an insgesamt zehn Abenden eine Retrospektive ihres Schaffens in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Bei der Beschallung wurde erstmalig mit Wellenfeldsynthese experimentiert.

Experimente mit Raumklang sind nichts Neues für Kraftwerk. Quadrofonie-Systeme für Effektzuspielungen waren bereits seit 1991 Bestandteil des Soundsystems. Für das Setup in Düsseldorf arbeiteten Kraftwerk eng mit d&b audiotechnik zusammen, eine bereits seit mehreren Jahren währende Kooperation: So erlebte die Q-Serie von d&b audiotechnik im Jahr 2002 ihre Premiere auf der Kraftwerk-Tour und auch bei den Konzerten im Museum of Modern Art in New York im April 2012 stand der Hersteller in Gestalt von Werner "4" Bayer mit Rat und Tat zur Seite.

Alternative zur Stereophonie

Bei der Realisierung der Beschallung in Düsseldorf hatte Ralf Zuleeg großen Anteil am Gelingen des Unterfangens. Der Leiter Application Support und Education bei d&b beschäftigt sich schon seit längerem mit Alternativen zur herkömmlichen Stereobeschallung. Seine Vision war es, durch das Prinzip der Wellenfeldsynthese für jede Position im Publikumsbereich ein richtungsbezogenes Klangbild zu erzeugen und die einzelnen Klangquellen in Form der vier Musiker in ein korrektes Verhältnis jedem beliebigen Punkt im Saal zu setzen. Denn dank der Wellenfeldsynthese lassen sich Schallquellen akustisch an jedem beliebigen Punkt im Raum positionieren. Erreicht wurde dies durch 24 Lautsprecher der Q-Serie von d&b, die zusätzlich zur Main PA rund um das Publikum positioniert wurden. Das Material wurde von Neumann&Müller zur Verfügung gestellt.

DER IOSONO-RECHNER WIRD VON DER BÜHNE UND VOM FOH ÜBER DIE BEIDEN IPADS ANGESTEUERTDER IOSONO-RECHNER WIRD VON DER BÜHNE UND VOM FOH ÜBER DIE BEIDEN IPADS ANGESTEUERTDas theoretische Ideal dieses Prinzips wurde zwar nicht erreicht – dazu müsste der Abstand der einzelnen Lautsprecher kleiner als die halbe Wellenlänge der höchsten zu übertragenden Frequenz sein. Das ließ sich aus organisatorischen und logistischen Gründen nicht realisieren und ein solches Beschallungssystem dürfte bis auf weiteres auch nur für Ölscheichs oder Investmentbanker im Bereich des finanziell Möglichen liegen.

Aber auch mit den vorhandenen Mitteln ist es gelungen, ein absolut überragendes Klangerlebnis zu realisieren. Wir haben uns vor Ort mit Ralf Zuleeg unterhalten sowie mit FoH-Techniker Serge und Winfried Blank, dem Production Manager von Kraftwerk:

www.dbaudio.com
www.iosono-sound.com


Autor/Fotos/Video: Markus Wilmsmann