25. April 2012

Roadie Roswita: „Trotz Herdprämie werden wir Frauen das Touringbusiness erobern“

 

Nicht nur beim Zusammenkloppen der Traversen packt Roswita kräftig mit anNicht nur beim Zusammenkloppen der Traversen packt Roswita kräftig mit anPassend zum Girls Day, mit dem Mädchen an technische Berufe herangeführt werden sollen, haben wir uns mit Roadie Roswita unterhalten. Sie ist zur Zeit mit einer Touring-Produktion unterwegs und lernt dort die verschiedenen Gewerke und das wilde Leben auf Tour kennen.

EventElevator: Wie fühlt man sich eigentlich als Frau in einer nach wie vor noch sehr männerdominierten Branche?
Roswita: Oh, ich fühle mich sehr geschmeichelt. Auf dieser Produktion bekomme ich die volle Aufmerksamkeit der gesamten Crew, die Techniker streiten sich manchmal fast um mich. Das kommt meinem Ego sehr entgegen.

EventElevator: Wieso trägst Du auf den Fotos nie einen Helm?
Roswita: Das stimmt so nicht. An meinem Tag auf dem Stapler trug ich einen Helm. Und ansonsten muss ich mich erstmal umschauen. Als Frau beurteilt man manche Dinge ja auch anders. Ich habe schon gemerkt, dass einige der Techniker ja auch glauben, besonders cool zu sein, dabei sind sie nur Schnacker und Poser. Ich werde da ganz sicher meine eigene Linie finden, bei der Sicherheit aber natürlich eine bedeutende Rolle spielen wird.

EventElevator: Was denkst Du: Werden wir in Zukunft mehr Frauen auf Produktionen sehen?
Roswita: Ganz bestimmt! Auch wenn reaktionäre Kräfte Herdprämien zahlen wollen, werden wir Frauen uns nicht aufhalten lassen und auch das Touringbusiness erobern. Natürlich gibt es auch hier eine Menge Chauvinismen, aber sind wir doch mal ehrlich, das ist doch alles nur verkappte Angst von den Typen, daß sie wieder eine weitere Domäne verlieren. Dem werden sie aber nicht entkommen :-)

Roswita beim Durchfahrenlassen der KettenRoswita beim Durchfahrenlassen der KettenEventElevator: Und was ist das größte Vorurteil, mit dem Du konfrontiert bist?
Roswita: Das größte Vorurteil ist sicher, daß wir Frauen keine Ahnung von Technik haben. Das ist natürlich Quatsch. Es liegt aber vielleicht einfach daran, daß wir Mädels kein Problem damit haben, wenn wir etwas nicht wissen. Wir fragen dann halt einfach. Die Kerle tun immer so, als ob sie alles wüßten und können – und manchmal geht es ja auch gut. Manchmal fallen sie aber auch böse auf die Nase, aber selbst das gilt dann noch als cool, weil man's wenigstens versucht hat. Das würden Frauen so nie tun.

EventElevator: Wie ist das Leben auf Tour und im Nightliner überhaupt so für Dich ?
Roswita: Es gibt ja erstaunlich wenig Privatsphäre, den einzigen privaten Raum, den man hat, ist das eigene Bett, wenn man den Vorhang zugezogen hat. Da muß man sich erstmal dran gewöhnen. 24 Stunden am Tag wirklich aufeinanderzuhocken, das kann bestimmt auch böse ins Auge gehen, wenn die Mischung der Leute nicht stimmt. Hier ist die Stimmung in der Crew und der Zusammenhalt zum Glück echt gut. Und ich bin überrascht, wie gut ich im Bus schlafen kann. Das Brummen des Motors ist sehr angenehm und ich werde manchmal wach, wenn der Motor ausgeht, eben weil dann das Brummen fehlt.

Auch Off-Days gehören zur AusbildungAuch Off-Days gehören zur AusbildungEventElevator: Zur Zeit machst Du ja gewissermaßen ein Praktikum – Könntest Du Dir vorstellen, in der Branche zu bleiben?
Roswita: Ja, das kann ich sicher. Auch wenn die "alten Recken" von alten Zeiten schwärmen, in denen es noch nicht so viele Vorschriften gab, so lebt man ja doch recht frei und hat nicht den eintönigen Alltag eines Bürojobs. Das finde ich toll.

EventElevator: Frauen wird ja manchmal nachgesagt, daß sie besonders hartnäckige Fans seien. Wie sieht das bei Dir aus: Ist es für Dich etwas besonderes, mit den Künstlern zusammenzuarbeiten ?
Roswita: Erst fand ich das schon etwas aufregend. Aber wenn man die Künstler näher kennenlernt, dann stellt man ganz beruhigt fest, daß das eben auch "nur" ganz normale Menschen sind, die zumindest bei unserer Tour alle extrem nett, freundlich und pflegeleicht sind. Wir hatten auch schon Besuch bei uns im Nightliner, wo dann plötzlich nachts beim Abbauende zwei Künstler im Bus stehen und mit uns trinken. So entwickeln sie sich zu so etwas wie Kollegen.

EventElevator: Wie ist das Essen auf Tour?
Roswita: Das hat mich echt erstaunt!  Ich hatte ja keine Vorstellung davon, wie ausgefeilt so Tourlogistik ist, aber hier gibt es eine dreiköpfige Küchencrew, die sterneverdächtig kocht. Da muß man manchmal schon fast aufpassen, daß man nicht zu viel nascht.

EventElevator: Und welches ist Dein Lieblingsgewerk?
Roswita: Da bin ich mir noch unsicher. Erst dachte ich ja, daß der Deko- und Setbau was für mich sein könnte, aber das ist ja richtig Plackerei!  Schwere Teile müssen bewegt werden, damit es dann hinterher märchenhaft aussieht. Zur Zeit mag ich Licht, aber auch die Arbeit, die unser Pyrokollege hinlegt.

Zur Person:
Roadie Roswita ist eine selbsgebastelte Puppe und war ursprünglich ein Fan-Geschenk an einen der Künstler. Die Crew hat sich ihrer angenommen und zeigt ihr die wilde Welt „on the road“. Ihre Abenteuer kann man auf ihrer facebook-Seite verfolgen.