23. August 2016

Hans „Riebe“ Riebesehl

Schön wär's gewesen: Hans Riebesehl mit der gefakten Schlagzeile in den St. Pauli Nachrichten Schön wär's gewesen: Hans Riebesehl mit der gefakten Schlagzeile in den St. Pauli Nachrichten © Markus Wilmsmann

Als die Roadies noch mit dem eigenen PKW von Gig zu Gig fuhren, sich mit Captagon wachhielten und riesige Drehpotis statt Fader bedienten, kam Hans Riebesehl 1972 mit dem allerersten Magazin für Musiker und Roadies um die Ecke: „Riebe's Fachblatt“.

Wir haben den Urvater aller deutschen Musikmagazine besucht und sind dabei noch auf zwei weitere Gäste gestoßen, die die wilden Zeiten hautnah miterlebt haben: Bernd Gutt und Ralf Basten, die bei Künstlern wie Udo Lindenberg, Frumpy, Atlantis oderAmon Düül II hinter den Mischpulten mit besagten Drehpotis saßen.

Seine Karriere startete Hans Riebesehl Mitte der 1960er Jahre als Kabelhilfe bei der Fernsehsendung „Beat-Club“ und mit kleineren Konzertveranstaltungen, die damals „Tanztees“ hießen. Die Rattles engagierten ihn als Roadmanager, weil er drei Auftritte an einem Tag vorbildlich engagierte und „als Veranstalter ungefragt die Gage herausrückte“, so Riebe – da war er noch keine 18 Jahre alt. Es folgten Stationen bei Frumpy, Udo Lingenberg, Boney M. und Otto Waalkes, um nur einige zu nennen.

Riebe's Fachmagazin: Ein schwarzes Brett für Deutschland

Irgendwann hatte er genug vom Leben auf Straße und gründete 1972 „Riebe's Fachblatt“: Sein Vorstellung war eine Zeitschriftenversion der schwarzen Bretter mit Kleinanzeigen, die damals in jedem Musikgeschäft hingen. Die Idee war gut, die Zeit allerdings noch nicht reif und der finanzielle Erfolg hielt sich in Grenzen.

Schließlich verkaufte Riebe das Fachblatt und ging mit eigener Lichtanlage wieder auf Tour. Aus dem Fachblatt entstand später das „Fachblatt Musikmagazin“, das bis 1999 existierte.

Riebes Lichtanlage wurde 1977 in Scheeßel beim „First Rider Festival“ ein Opfer der Flammen, als die Bands nicht anrückten, die der Booker versprochen hatte und die wütenden Fans daraufhin die Bühne abfackelten.

Man hätte es wissen können, denn der Booker war durch die Rubrik „Linke Stinker, Bauernfänger“ in Riebes Fachblatt eigentlich als unlauterer Geselle bekannt.

4.000 Ottifanten in drei Tagen

Später „erfand“ Riebe noch quasi durch einen Zufall das Merchandising für Otto Waalkes. Heute lebt der 67-jährige mit seiner Frau Gabi zwischen Bremen und Hamburg.

„Man hat einfach mehr Quatsch gemacht damals, sich mehr getraut“, sagt er rückblickend über diese Zeit, in der alles möglich schien und sich die technischen Dienstleister oft mehr als Freunde des Künstlers begriffen denn als Auftragnehmer, wie Ralf Basten im Video erzählt. Die drei gewähren uns einen faszinierenden Einblick in das damallige Leben on the road, das nicht mehr viel mit zu tun hat mit den hochprofessionellen Produktionen von heute. Und es wird das Geheimnis gelüftet, wie es zur gefakten Schlagzeile in den „St. Pauli Nachrichten“ kam.

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Autor: Markus Wilmsmann