19. Oktober 2012

DiGiCo SD7T bei Carl Orffs „Prometheus“ auf der Ruhrtriennale

Norbert Ommer – Sounddesigner und Klangregisseur bei „Prometheus“ auf der Ruhrtriennale – und Systemingenieur Wolfgang  Hoffmann (v.l.)Auf der diesjährigen Ruhrtriennale wurde von Lemi Ponifasio die Carl Orff Oper Prometheus in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord in der Spielzeit vom 17. August bis zum 30. September aufgeführt. Der musikalische Leiter und Dirigent Peter Rundel steuert das von mehreren Schlagwerk-Formationen, zwei Orgeln und acht Pianisten verstärkte Musik-Ensemble. Klangarchitekt Norbert Ommer hat für Prometheus das Sound-Design erstellt und führte an einem DiGiCo SD7T auch die Klangregie.

Prometheus ist eine Oper des deutschen Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff von1968. Diese Musiktheater-Produktion wurde aufgrund seiner aufwendigen Orchestrierung bisher nur wenige Male aufgeführt und speziell für die diesjährige Ruhrtriennale neu inszeniert. Diese findet seit 2002 jährlich statt und gehört zu den bedeutendsten europäischen Festivals. Intendant der Ruhrtriennale 2012 – 2014, dem „International Festival of the Arts“,  ist der Komponist und Regisseur Heiner Goebbels. Die herausragenden Industriedenkmäler des Ruhrgebiets dienen der Ruhrtriennale als Aufführungsorte für Musik, Theater, Literatur, Bildende Kunst, Tanz und Performance. Schauspiel und Oper verbinden sich in ehemaligen Maschinenhallen und Kokereien mit Entwicklungen der Bildenden Kunst, Pop- und Konzertmusik.

Die Location
Die Kraftzentrale im ehemaligen Duisburger Hüttenwerk entstand zwischen 1906 und 1911 und gehört mit einer Länge von 170 Metern, einer Breite von 35 Metern und einer Höhe von 20 Metern zu den größten Industriehallen des Ruhrgebiets. Von dort aus wurden die Hochöfen mit warmer Luft „beatmet“. Seit 1997 wurde sie nach einem siebenmonatigen Umbau als multifunktionaler Veranstaltungsort, der circa 3.700 Personen fasst, eröffnet.

„T“ steht für Theatersoftware

Der gelernte Sounddesigner, Tonregisseur und Tonmeister Norbert Ommer wurde daher beauftragt, das Soundkonzept für das Musiktheater zu kreieren und arbeitete hierfür mit dem Regiepult DiGiCo SD7T. „T“ steht im Hause DiGiCo für Theatersoftware und bietet erweiterte Theaterfunktionen, wie zum Beispiel Nodal Delays in der 32 x 32 Matrix, erweiterte Cue- und Automationsfunktionen sowie ein perfektioniertes Auto-Update und Aliases für die einzelnen Kanäle. Das Mischpult wurde als zentraler Platz für die Ton-Regie innerhalb der Vorbereitungen für die Bühne und des logistischen Aufwands für die hohe Anzahl der Instrumente sechs Wochen vor der Premiere am 16. September eingebaut. Für Norbert Ommer ist Sounddesign die „hörbare“ Architektur unterschiedlicher Klangwelten mit individuellen Klangvorstellungen. Entsprechend kompromisslos geht er innerhalb seiner Klangregie mit Partitur, Raumakustik und Elektronik um.

„Es war eine große Herausforderung, den gewünschten Klang in der Halle herzustellen“, erläutert Norbert Ommer seinen aktuellen Einsatz auf der Ruhrtriennale. „Ich habe mich zu Beginn gefragt, wie dieses Stück überhaupt in dieser Industriehalle aufführbar ist. Immerhin kommen eine Vielzahl von Instrumenten aus aller Welt zum Einsatz, ein umfangreiches Schlagzeug-Arsenal mit afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Percussions. Es gibt neun Kontrabässe, vier Klaviere, vier Harfen, zwei Orgeln und Bläser. Ein Frauenchor setzt diesem Instrumentarium „ätherische Klänge“ entgegen, es gibt Schauspieler, die überwiegend deklamieren und partiell singen. Sprache wird Klang und damit untrennbarer Bestandteil des instrumentalen Geschehens. In der Kraftzentrale konnten nicht die üblichen akustischen Maßnahmen umgesetzt werden, da der Raum optisch einsehbar sein sollte. Das SD7T war ein wichtiges, zentrales Element des Sounddesigns und steht neben seiner Spitzenleistung in Sachen Klangqualität vor allem für eine einfache Programmierung und übersichtliche Verwaltung, auch verstärkt durch den mittig angeordneten Monitor  und die Touchscreens zu beiden Seiten. Hinzu kommt eine erstaunlich große Anzahl von Kanälen. Darüber hinaus haben wir verschiedene DiGiCo Racks, die mit Optocore ausgestattet waren an strategische Positionen im Technikbereich platziert.“

Zweieinhalb Stunden ohne Pause

„Der Workflow war mir schon vor „Prometheus“ vertraut, denn ich arbeite schon seit längerer Zeit mit DiGiCo Konsolen.  Das Stück hat keine Pause! Es dauert circa zweieinhalb Stunden, Sänger und Protagonisten stehen fortlaufend in der Szene. Es besteht daher keine Möglichkeit, ein Drahtlos-Mikrofon auszutauschen. Alles läuft über den Workflow des Pultes. Neu war für mich bei diesem Musiktheaterstück das Verwenden alternierender Inputs. Diese waren für die Sänger bzw. Sprecher im Einsatz, die zwei Stunden in der Szene bleiben. Das SD7 hat die Präzision, Dynamik und Energie, den Reichtum der Orffschen Klangfarben in allerbester Qualität zu inszenieren.“